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Argumentenbörse gegen die Flugscham...

 
Haben Sie vor, demnächst in die Karibik, nach Bali oder auf die Malediven zu fliegen, dann brauchen Sie heute – anders als früher – ein paar griffige Abwehr-Argumente gegen die sogenannte Flugscham, die dem herumjettenden Normalbürger jede vermeidbare Flugbewegung zu vergällen droht. Unter den bisher bekannten Vielflieger-Rechtfertigungswordings haben inzwischen all’ jene Äusserungen definitiv ausgedient, die den Klimaanheizungseffekt durch fossile Brennstoffe immer noch grundsätzlich in Zweifel ziehen. Solche Argumente haben sich nunmehr offensichtlich als faktenwidrig erwiesen und wirken heute deshalb äusserst unelegant. Doch keine Angst! Für Vielflieger/innen gibt es, wie nachfolgend dargelegt, eine durchaus breitgefächerte Palette an hochwirksamen Verteidigungsstrategien:
 
Ein brauchbares Argumentationsschema, das die eigene Flugscham superhaft überblendet, ist da in erster Linie der Gegenangriff: z.B. «Wer ist denn klimamässig so unschuldig, dass er meinen Karibikflug kritisieren kann?» oder: «Wer an meinem Karibikflug etwas auszusetzen hat, ist entweder selber ein scheinheiliger Umweltsünder, oder, wenn dies nicht der Fall ist – umso schlimmer -, dann ist er ein verbissener Ökofanatiker, - und wo der Fundamentalismus hinführt, ist uns ja hinlänglich bekannt!» Eine besonders durchschlagende Variante aus dem Arsenal «Gegenangriff» besteht sodann darin, den Flugkritiker als «lustfeindlichen Erbsenzähler» abzustempeln. Das Stigma der Lustfeindlichkeit ist in unserem shoppingdurchstreamten Zwangshappyness-Zeitgeist so etwas wie ein soziales Todesurteil.
 
Sehr dankbar ist auch die Argumentationsvariante nach dem Muster «Abklenkung», z.B. «Was ist denn mein Karibikflug schon im Vergleich zum unsäglichen Jet-Set-Life der globalen Upperclass?» (Heliskiing, Luxusjachten, etc.) Äusserst wirksam ist auch das «Mein-Einfluss-ist-eh-winzig-klein»-Argument. In diese Richtung geht auch der Hinweis, dass man ja blöd wäre, sich freiwillig einzuschränken, solange dies andere nicht auch tun.
 
Bei eher linksstehenden Vielflieger/-innen besonders beliebt ist sodann das Argument, man solle zuerst gesamtgesellschaftlich gegen klimaschädigendes Verhalten vorgehen, dann werde man sich selbstverständlich auch an neue gesetzliche Einschränkungen halten. Erst wenn das Fliegen für alle gesetzlich kontingentiert sei, komme man sich als Verzichtender nicht mehr gelackmeiert vor. Ebenfalls in eher linken Kreisen wird das Fliegen in ferne Länder mitunter als Ausdruck der Völkerverständigung und als eine Zeichensetzung gegen den wiederaufkommenden Nationalismus gepriesen.
 
Bei eher rechtsstehenden Vielflieger/-innen, die immer wieder in eine trumpmässige grundsätzliche Bestreitung des menschgemachten Treibhauseffekts abzugleiten drohen, hört man oft die lapidare Frage, was es denn bringe, das ökologische Gleichgewicht zu retten, wenn dafür die Wirtschaft zusammenbreche? Im übrigen figuriert in diesen Kreisen als Spitzenargument auch der Hinweis, dass es jetzt ja ohnehin zu spät sei, gegen die Klimaerwärmung noch etwas zu unternehmen, also könne man vor dem grossen «Crash» doch locker nochmals tüchtig Vollgas geben. Noch einen Zacken verschärft wird dieses «Highway-to-hell»-Argument von den Survivalist-Libertären am extrem rechten Rand. Dort begrüsst man es geradezu, wenn die Menschheit in einem Horrorszenario zugrunde geht, natürlich mit Ausnahme einer auserwählten schwerbewaffneten Heldenkriegerschar, welche dann als gentech-optimiertes Herrenvolk freie Bahn haben wird für ein neues gnadenloses Hightech-Mittelalter.
 
Bei Vielfliegern, die sich polit-gesellschaftlich sozusagen in der extremen Mitte befinden, ist der Verweis auf die brav geleisteten Mi-Climate-Kompensationszahlungen (welche bekanntlich noch immer spottbillig sind) besonders beliebt. Im übrigen werde es der technologische Fortschritt dann schon richten, sodass niemand etwas an seinem wachstumsorientierten Konsumjunkie-Lebensstil ändern müsse.
 
Wie wir sehen, gibt es auf der Argumentenbörse gegen die Flugscham ein äusserst vielfältiges und qualitativ hochstehendes Angebot. Mit diesem Blumenstrauss an Verteidigungsideen pulverisieren Sie problemlos jede kerosenkritische Attacke gegen Ihren doch so weltoffenen Lifestyle. - Wenn doch nur diese blöden Fakten nicht wären! – Doch auch gegen Fakten gibt es, wie unsere Argumentenbörse gezeigt hat, knallharte Ausblendungsrezepte. Und überhaupt: Wer sich allzu sehr an die knochentrockenen Fakten klammert, der endet, - Sie ahnen es schon -, als nervige Spassbremse im Orkus der lustfeindlichen Erbsenzählerei. Deshalb: «Fiat jux, pereat mundus!» (frei übersetzt: «mit Jux in den Abgrund!»).
 
                                                                      Christof Brassel, 19.11.19

Schaffhauser Nachrichten: "Auf Flugscham folgt Konsumekel"
Die Nichtoligarchennichte...
 
Unsere Zeit ist geprägt von e-mails, e-bikes und e-cars, von e-banking und von e-denking, von e-smoking und e-voting und selbstverständlich auch immer wieder von e-gotrips. Bald können wir bei Amazon auch ohne umständlichen  Hauslieferdienst einen e-drink oder eine e-pizza bestellen. Mit ihrer I-pizza-connection haben der österreichische Inhaber eines politischen Bräunungsstudios und sein adliger Adlat allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. In einer Villa in I-biza wurden sie nämlich stilgerecht von I-rina, einer waschechten russischen Oligarchennichte empfangen, welche in Wirklichkeit allerdings eine Nichtoligarchennichte war. Jedenfalls entführte sie die beiden austriakischen Rechtsaussenminister oligarschkalt in deren eigene grosse weite Halbwelt, wo sie hemmungslos in ihrem cocktail-angeheizten Machtrausch schwelgten. Unter den Sirenengesängen dieser russischen Kosakin wurden der strache Mann und seine gude Nuss alsbald so butterweich, dass sie mental dort landeten, wo die Gummibärchen im Wodka-Red-Bull-Sumpf einander gude Nacht sagen.
 
Während sich die beiden flotten Austria-first-Buberln in ihrer Burschenherrlichkeit politisch selbst zur Stracke gebracht haben, warten viele andere stramm rechte Spezis in Europa und in den USA noch auf ihre russische Nichtendämmerung. Kann man soviel Blödheit denn überhaupt noch übertrumpen? Ja, mann kann! Im Falle des alles ertwitternden Supertrumpers müsste die russische Nichte allerdings wesentlich mehr als eine lumpige Viertelmilliarde Dollars ins Spiel bringen. Es müssten mindestens 5 Milliarden sein, „to build the wall“, und die Nichte müsste zudem einen leibhaftigen Putin-Doppelgänger im Schlepptau haben, der dem Superdonald dauernd mit den Worten „you are absolutely the greatest“ auf die Schultern klopfen würde.  Unter dem Einfluss einer solchen egomanischen Narkotisierung würde der unsterbliche Trumpator dem russian goodguy ohne weiteres  ein paar klitzekleine Staatsgeheimnisschen in sein stets offenes KGB-Ohr flüstern, worauf der Hereingetrumpte dann früher oder später aus seinem Amt gemullert würde.
 
Wie nun aber könnte eine russische Nichtoligarchennichte den römischen Imperator Matteo Schlavini, der sich bekanntlich vor allem von Tabubrüchen ernährt, ins Schleudern bringen? Jenen Schulterklopfer, der süchtig ist nach Härte und der nur Verachtung übrig hat für Mitgefühl und andere nicht mehr zeitgemässe Gefühlsregungen? Wenn man nun aber bedenkt, dass sein Erfolgsmodell „Tabubrucheskalation“ nur dann funktioniert, wenn die Abstumpfung des Volkes mit der zunehmenden Scheusslichkeit der Tabubrüche Schritt hält, wird klar, dass Politiker vom Schlage Schlavinis einen stets wachsenden flächendeckenden Volks-Abstumpfungsbedarf haben. Weil nun aber in Italien auch der heilige Franziskus von Assisi seine (für Schlavini ungünstigen) geistigen Spuren hinterlassen hat, lässt sich eine flächendeckende Abstumpfung des Volkes langfristig nur mit einer grossangelegten Beimengung des Wirkstoffes Brutalin im Trinkwasser erzielen. Die auf Schlavini angesetzte russische Nichte müsste diesem somit auf Jahre hinaus Milliardenbeträge für die laufende Beschaffung von Brutalin in Aussicht stellen, welches dann in geheimen Lizenzfabriken von Novartis in Russland hergestellt würde.  Mit der Enthüllung der megalomanen Pläne zur Zwangsnarkotisierung der gesamten Italianità würde die aus dem Nichts aufgetauchte Nichte dann die Politkarriere des  knallharten Schlavini buchstäblich vernichten.
 
 
Es ist wohl kein Zufall, dass fast  gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Ibiza-Videos der russischen Powernichte, welches gewissermassen die Abgründe eines politischen schwarzen Loches zutage gefördert hat, die rennomiertesten Teleskopstationen der Welt erstmals ein reales schwarzes Loch aus einer Entfernung von 55 Millionen Lichtjahren „fotografieren“ konnten. Die enthüllten Machenschaften dieses (zum Glück mega-weit entfernten) schwarzen Loches sind denn auch mindestens so skandalträchtig wie die Korruptions- und Machträusche der beiden entfesselten FPÖ-Rechtsaussis. Im einen Fall geht es um das alles verschlingende Nichts, im anderen um die Entschleierungsaktion der alles enthüllenden Nichte. Jedenfalls wird es Zeit, nicht nur in Österreich, von Wodka-Red-Bull auf ein Bierlein umzusteigen.

Christof Brassel, 11.6.2019
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