CH & Weltpolitik - SP-resso

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Die Vervirung...
 
So ein Virus kann uns Menschen als «corona der Schöpfung» schon recht in Vervirung bringen. Das fängt schon damit an, das wir nicht genau wissen, ob es nun der Virus oder das Virus heisst. Vermutlich passt wohl die männliche Form besser, weil der Virus doch sicher vor Virilität geradezu strotzen muss. Besonders virile Männer beklagen sich in letzter Zeit denn auch, dass Frauen zu ihnen zunehmend auf Distanz gehen. Eine zusätzliche Vervirung entsteht sodann durch die allgegenwärtige verständliche Angst vor dem Virus. Wir versuchen uns von den Viren abzugrenzen, stabile Grenzen zwischen dem Wir und dem Vir zu errichten. Die Viren stammen nach bisherigen Erkenntnissen offenbar aus dem chinesischen Wuhan, wo unter anderem bekanntlich unsere Wu-Handies produziert werden. Der grosse Vorsitzende In-Fi-Zi, der Herr über alle Geschichtsmasken, hat inzwischen die Geschichtserkennung geändert und verbreitet die Botschaft, die Viren stammten aus Vir-ginia oder sonst aus den Vireinigten Staaten. Dabei hatte doch der allgewaltige In-Fi-Zi selber die neue Seidenstrasse von Beijing und Wuhan nach Mai Lan projektiert, auf der nun die Viren nach Norditalien eingesickert sind. Der heutige Big Chief in Washington behauptet seinerseits, er habe alles «under control», die USA seien praktisch «vireless», und die Viren stammten alle von bad people aus Viropa oder aus irgendwelchen iranischen Koronschulen. In Viropa wiederum hält man sich fern von Vira Italia und verzichtet vorsichtshalber auf «Spaghetti coronara» und auf «viramisu». Stattdessen herrscht in allen Supermärkten ein Ansturm auf italofreie Teigwaren, Büchsenraviroli und WC-Papier. Während die Hamsterkäufer/innen ihr WC-Papier meist papierlos bezahlen, werden die standhaften Bargeldbenutzer (darunter ich z.B.) wegen des Virus allmählich als üble Schmutzfinken beargwöhnt. Dabei könnte dieses hygienische Problem ohne weiteres mit einer regelmässigen gründlichen Geldwäscherei (dies im wortwörtlichen Sinne) gelöst werden.
 
Es gibt jedoch auch erfreuliche Nachrichten: Bedingt durch die derzeitige Krise entwickeln die Menschen allmählich ein neues Vir-Gefühl: Man kommt sich
gegenseitig näher, indem man zueinander respektvoll Distanz hält. Zudem gibt es plötzlich eine Riesenauswahl an Nichtereignissen, an denen man allen nicht
teilnehmen kann. Dieser Umstand hat – bei allem Bedauern – natürlich auch etwas Tröstliches: Wo man früher aus der Fülle der Veranstaltungen nur eine einzige auswählen konnte, verpasste man gleichzeitig unentrinnbar hunderte von anderen Anlässen. In der gegenwärtigen absageträchtigen Situation verpasst man jedoch gar nichts mehr, weil nämlich gar nichts mehr stattfindet.
Was die vielgerühmte Gelassenheit angeht, so scheint es doch eher fragwürdig, soweit zu gehen wie der ultrakatholische  Weihbischof Eleganti. Dieser ärgert sich darüber, dass in den Kirchen die Weihwasserbecken aus hygienischen Gründen entweihwässert wurden. Wer einen starken Glauben habe, dem könne das priesterlich geweihte Wasser (aller Vervirung zum Trotz) doch nichts anhaben. Der elegante Hirte des Herrn vergisst hier, dass es halt auch Menschen mit nur mittelstarkem oder schwachem Glauben gibt, die man dennoch nicht unnötig der Virulenz der Naturgesetze aussetzen sollte. Ausserdem hat diese Welt weissgott auch sonst schon genügend Bedarf an göttlicher Wundertätigkeit. Da muss man den Wunderbedarf nicht zusätzlich noch durch sakrales Roulette strapazieren. Bei aller Eleganz der beschriebenen weihbischöflichen Glaubensakrobatik fällt es mir schwer, in ein begeistertes «Wow-Bischof!» einzustimmen, stattdessen muss ich mich ernsthaft fragen: «Why?-Bischof» …

Christof Brassel 18.03.2020
 
Crypto-Valley...
Jetzt haben wir Schweizer endlich wieder einmal einen filmreifen süffigen Geheimdienstskandal, der sich mit allen obskuren Wassern eines Agenten-Thrillers gewaschen hat. Die Bestürzung über die Verwicklung unseres Staates in die dubiosen Machenschaften von CIA und BND hält sich die Waage mit der Genugtuung, dass wir nun endlich auch wieder einmal nicht nur mit todlangweiligen Steuerflucht- und Rohstoff-Raffgiergeschichten, sondern mit einem prickelnd üppigen Spionagekrimi im Rampenlicht des Weltgeschehens stehen.
 
Verlässliche Informationen darüber, wer alles aus der Galerie unserer Bundesbehörden von diesen kryptischen Verstrickungen wusste, werden wir wohl erst dann haben, wenn ein einschlägiger Bericht einer Untersuchungskommission vorliegt. Vorerst ist unser Vorstellungsbild der Ereignisse auf allerlei kryptische Hinweise, auf Vermutungen und auf mehr oder weniger eloquente oder demente Dementis angewiesen. Dass der Bundesrat (bzw. seine damaligen Mitglieder) nichts von allem gewusst hat, wundert uns überhaupt nicht; denn es ist doch nachgerade die Pflicht eines jeden Bundesrates (ob noch im Amt oder schon ausgedient), in solchen heiklen Situationen nichts von allem gewusst zu haben. In jener Phase, als ca. 1993 erste Verdachtsanzeichen über die manipulativen Verstrickungen der Crypto AG aus dem Zuger Crypto-Valley nach Bundesbern schwappten, und als die US-Botschaft bei der Bundespolizei gratis jenen Sand anlieferte, in welchem das dortige Untersuchungsverfahren dann verlief, - in jener Phase hat der Bundesrat in weiser Vorausschau vielleicht sogar einen amtlichen Beschluss gefasst, dass er von allem nichts wusste. Ein solcher Feststellungsbeschluss dürfte allerdings, um sich selbst nicht zu widerlegen, keinerlei Angaben darüber enthalten, was genau unter «von allem» zu verstehen war. Der Bundesrat könnte ja angesichts der immer und überall lauernden Gefahr, dass man ihn später einmal irgendeines verfänglichen Mitwissens verdächtigen könnte, in periodischen Zeitintervallen quasi routinemässig präventiv amtlich feststellen, dass er eben «von allem» nichts wisse. Diesen Nichtswissensbeschluss könnte er dann später bei einem allfällig auftauchenden  Wissensverdacht (in Bezug auf was auch immer) jederzeit zu seiner Entlastung vorlegen. Eine solche allgemein gehaltene Ahnungslosigkeitsbescheinigung, wäre, weil sie sich ja auf «alles» bezieht, im konkreten Bedarfsfall äusserst vielseitig verwendbar. Die Aussage, dass man als Regierungs- oder sonst als hohes Behördenmitglied «von allem» nichts gewusst habe, darf allerdings nicht allzu sehr strapaziert werden, da durch ihre allzu häufige Verwendung der Eindruck behördlicher Kompetenz doch in krasser Weise beschädigt würde. Man müsste dann zur Schadensbegrenzung der Feststellung, dass man von allem nichts gewusst habe, den autoritätswahrenden Nachsatz beifügen, dass man jedoch von nichts durchaus alles wisse.
 
Da «dies alles» zeitlich zum Teil schon lange zurückliegt, ist es allerdings auch möglich, dass der Bundesrat (bzw. der eine oder andere seiner damaligen Protagonisten) das Nichts, das er damals «von allem» wusste, inzwischen zusätzlich noch völlig vergessen hat, sodass nun nichts mehr von dem Nichts übrigbleibt, das er damals «von allem» gewusst hat.  
 
Nach dem Auffliegen der amerikanisch-deutsch «getürkten» Chiffriergeräte aus dem Zuger Crypto-Valley wird es die schweizerische Exportwirtschaft nun natürlich sehr schwer haben, die Beliebtheit ihrer Produkte auf einem akzeptablen Niveau zu halten. Beim Emmentalerkäse wird man künftig in jedem Loch ein CIA-Nano-Abhörchip vermuten. Im selben Verdacht stehen fortan auch die bisher höchst beliebten Rolex-Uhren, ebenso die Herzschrittmacher, «Gen-Tech-Scheren» und Goldbarren. «Made in Schlitzerland» wird unser ultimatives Markenzeichen sein. Vor einem solchen Debakel kann uns nur noch ein genialer territorialchirurgischer Befreiungsschlag retten: Wir treten den Kanton Zug samt allen seinen schummrigen Steuerfluchtresorts, Raubbauholdings und Crypto-Valleys per sofort an Liechtenstein ab. So werden wir uns nicht nur in der vorliegenden Langley-Zug-connection, sondern auch noch in weiterer Zugkunft wenigstens die schlimmsten Reputationsrisiken vom Halse schaffen. Den neu entstehenden «Bad-State» könnte man dann vielleicht «Liechtensteinhausen» oder «Corryptistan» nennen.
 
Die Filmrechte für den künftigen Crypto-Agenten-Thriller werden wir uns jedoch vor dieser Auslagerung noch rechtzeitig sichern. Von der medialen Ausschlachtung unserer eigenen Schummeleien, von diesem lukrativen Enthüllungshype, möchten wir doch gerne selber profitieren. So freuen wir uns schon jetzt auf den atemberaubenden Chiffrier-Agententhriller mit dem Titel: «Auf sinkendem Schiff friert man nur einmal» mit zahlreichen Alt-Bundesräten und Alt-Bond-Girls in tragikomischer Heldenrolle.

 
Christof Brassel 20.2.2020
 
 
Argumentenbörse gegen die Flugscham...
Haben Sie vor, demnächst in die Karibik, nach Bali oder auf die Malediven zu fliegen, dann brauchen Sie heute – anders als früher – ein paar griffige Abwehr-Argumente gegen die sogenannte Flugscham, die dem herumjettenden Normalbürger jede vermeidbare Flugbewegung zu vergällen droht. Unter den bisher bekannten Vielflieger-Rechtfertigungswordings haben inzwischen all’ jene Äusserungen definitiv ausgedient, die den Klimaanheizungseffekt durch fossile Brennstoffe immer noch grundsätzlich in Zweifel ziehen. Solche Argumente haben sich nunmehr offensichtlich als faktenwidrig erwiesen und wirken heute deshalb äusserst unelegant. Doch keine Angst! Für Vielflieger/innen gibt es, wie nachfolgend dargelegt, eine durchaus breitgefächerte Palette an hochwirksamen Verteidigungsstrategien:
 
Ein brauchbares Argumentationsschema, das die eigene Flugscham superhaft überblendet, ist da in erster Linie der Gegenangriff: z.B. «Wer ist denn klimamässig so unschuldig, dass er meinen Karibikflug kritisieren kann?» oder: «Wer an meinem Karibikflug etwas auszusetzen hat, ist entweder selber ein scheinheiliger Umweltsünder, oder, wenn dies nicht der Fall ist – umso schlimmer -, dann ist er ein verbissener Ökofanatiker, - und wo der Fundamentalismus hinführt, ist uns ja hinlänglich bekannt!» Eine besonders durchschlagende Variante aus dem Arsenal «Gegenangriff» besteht sodann darin, den Flugkritiker als «lustfeindlichen Erbsenzähler» abzustempeln. Das Stigma der Lustfeindlichkeit ist in unserem shoppingdurchstreamten Zwangshappyness-Zeitgeist so etwas wie ein soziales Todesurteil.
 
Sehr dankbar ist auch die Argumentationsvariante nach dem Muster «Abklenkung», z.B. «Was ist denn mein Karibikflug schon im Vergleich zum unsäglichen Jet-Set-Life der globalen Upperclass?» (Heliskiing, Luxusjachten, etc.) Äusserst wirksam ist auch das «Mein-Einfluss-ist-eh-winzig-klein»-Argument. In diese Richtung geht auch der Hinweis, dass man ja blöd wäre, sich freiwillig einzuschränken, solange dies andere nicht auch tun.
 
Bei eher linksstehenden Vielflieger/-innen besonders beliebt ist sodann das Argument, man solle zuerst gesamtgesellschaftlich gegen klimaschädigendes Verhalten vorgehen, dann werde man sich selbstverständlich auch an neue gesetzliche Einschränkungen halten. Erst wenn das Fliegen für alle gesetzlich kontingentiert sei, komme man sich als Verzichtender nicht mehr gelackmeiert vor. Ebenfalls in eher linken Kreisen wird das Fliegen in ferne Länder mitunter als Ausdruck der Völkerverständigung und als eine Zeichensetzung gegen den wiederaufkommenden Nationalismus gepriesen.
 
Bei eher rechtsstehenden Vielflieger/-innen, die immer wieder in eine trumpmässige grundsätzliche Bestreitung des menschgemachten Treibhauseffekts abzugleiten drohen, hört man oft die lapidare Frage, was es denn bringe, das ökologische Gleichgewicht zu retten, wenn dafür die Wirtschaft zusammenbreche? Im übrigen figuriert in diesen Kreisen als Spitzenargument auch der Hinweis, dass es jetzt ja ohnehin zu spät sei, gegen die Klimaerwärmung noch etwas zu unternehmen, also könne man vor dem grossen «Crash» doch locker nochmals tüchtig Vollgas geben. Noch einen Zacken verschärft wird dieses «Highway-to-hell»-Argument von den Survivalist-Libertären am extrem rechten Rand. Dort begrüsst man es geradezu, wenn die Menschheit in einem Horrorszenario zugrunde geht, natürlich mit Ausnahme einer auserwählten schwerbewaffneten Heldenkriegerschar, welche dann als gentech-optimiertes Herrenvolk freie Bahn haben wird für ein neues gnadenloses Hightech-Mittelalter.
 
Bei Vielfliegern, die sich polit-gesellschaftlich sozusagen in der extremen Mitte befinden, ist der Verweis auf die brav geleisteten Mi-Climate-Kompensationszahlungen (welche bekanntlich noch immer spottbillig sind) besonders beliebt. Im übrigen werde es der technologische Fortschritt dann schon richten, sodass niemand etwas an seinem wachstumsorientierten Konsumjunkie-Lebensstil ändern müsse.
 
Wie wir sehen, gibt es auf der Argumentenbörse gegen die Flugscham ein äusserst vielfältiges und qualitativ hochstehendes Angebot. Mit diesem Blumenstrauss an Verteidigungsideen pulverisieren Sie problemlos jede kerosenkritische Attacke gegen Ihren doch so weltoffenen Lifestyle. - Wenn doch nur diese blöden Fakten nicht wären! – Doch auch gegen Fakten gibt es, wie unsere Argumentenbörse gezeigt hat, knallharte Ausblendungsrezepte. Und überhaupt: Wer sich allzu sehr an die knochentrockenen Fakten klammert, der endet, - Sie ahnen es schon -, als nervige Spassbremse im Orkus der lustfeindlichen Erbsenzählerei. Deshalb: «Fiat jux, pereat mundus!» (frei übersetzt: «mit Jux in den Abgrund!»).
 
Christof Brassel, 19.11.19

Schaffhauser Nachrichten: "Auf Flugscham folgt Konsumekel"
Steiner Anzeiger: "Argumentenbörse gegen die Flugscham:"
Haupzach rüschtig...
Der Pilatus
isch au nüm der Jüngscht,
aber är isch no rüschtig,
überall unterwägs.
Golfspielä haltet fit,
persische Golf, Saudi-Arabie,
Emirat und Tat,
vo Stans bis Kasachstans,
für der Pilatus ka Sach,
Haupzach: rüschtig.

D’ Saudis sind halt e chli Rowdies,
und mängsmol tötelet `s halt e chli.
Jemä, Jemerlinei.
Das isch halt so, weme rüschtig isch.

Rüschtig bringt Jöbs für vili,
und macht au, dass vili bald kei Jöbs meh bruuche.
Sone Job isch halt knallhart,
und sicher ka Schoggijob.
Zum Glück isch der Pilatus no rüschtig gnueg
mit em perversische Golfschleger,
Haupzach, är wäscht sich nochhär d’ Händ, der Pilatus.

Em Saudi isch es au voll egal, ob
das jetz Chriegsmaterial isch oder nid,
Haupzach, är kriegt `s Material.
`S Business goht au steinigi Wäg,
wenn `s mues sii, und wird öpper gsteiniget,
denn schwigt me lieber,
und gäge Peitschehieb
hilft Pilates und Pei Tschii.

Und vo wäge Kashoggi, wahabitteschön!
Schwyzer Militärschoggi, sit wenn isch das Chriegsmaterial?
Aber für so heikli Geschäft het der Pilatus zum Glück der Ueli.
Erscht grad isch dä zum echli go Höbelä
bim Puting und bim Jinping xi,
Haupzach Business,  
und är sorgt für’s Klima,
für’s Wildweschtmentklima,
mit enere Saudiänz
bim Prinz Mohammed bin Salman.
Mit der Swiss-Wirtschaftsuelitä
mit em Uelikopter
echli go chille bim Prinz Killman,
Gsetz hin oder här, Haupzach Uusfüerigsbestimmige,
und was me denn uusfüehrt,
do chunnt`s nit so druf aa
bim Ueli, bim Pilatus und bim Salman.
Haupzach fit for business,
und noch jedem Deal:
Händwäsche mit Kleenex-Flüssig,
wäsch for cash,
god seif de Prinz,
god seif Ueli,
Stützliländ gwinnschallah,
Haupzach rüschtig.

Christof Brassel, 31.1.2020
«Gwinnovation forever»
Wie gefährlich diese 5G-Strahlung nun effektiv ist, kann ich als abgebrühtes wandelndes 4G-Strahlenlöchersieb beim besten Willen nicht sagen. Da sollte man wohl zuerst eine Langzeitstudie im Zeitraffer durchführen, welche dann wohl mangels eines klaren Ergebnisses auf das Schema «den Letzten beisst die Beweislast» hinauslaufen wird. Wie auch immer: Abgebrüht und robust zu sein, empfiehlt sich heute so oder so. Wollten wir auf alle empfindlichen Minderheiten Rücksicht nehmen, bliebe am Ende wohl unser ganzer strahlender technologischer Fortschritt auf der Strecke. Es kann doch nicht sein, dass die robuste Mehrheit wegen ein paar nervigen Allergikern (und Allergikerinnen) auf das sekundenschnelle Streaming von Netflix-Blockbustern verzichten muss. Ja, und wenn dann so ein paar fleissige Bienchen Navigationsstörungen bekommen, dann gibt es halt in Zukunft mehr Nutella statt Honig zum Frühstück.
 
Diese Hypersensibis, diese Bienenzüchter und Artenvielfalter sollen doch zuerst einmal beweisen, dass die 5G-Strahlung wirklich schädlich ist. Wenn nämlich immer der Fortschritt beweisen müsste, dass er harmlos ist, wokämenwirdahin? Bei soviel «Öko-Wenn-und-Aber» müssten wir wohl auch heute noch in einem Bärenfell um ein Feuer tanzen. Im Unterschied zu damals würde man uns heute allerdings aus Tierschutzgründen sogar noch das Bärenfell wegnehmen. Aber auch die Steinzeitmenschen konnten mit dem Pilzverzehr ja nicht immer warten, bis die Ungiftigkeit feststand, ein bisschen russisches Roulette war bei Innovationen schon immer nötig. Trial and error – wenn nötig halt am lebendigen Objekt – waren schon eh und je die Entwicklungsimpulse der Zivilisation. Gewisse Risiken muss man halt eingehen, vor allem, wenn es um so segensreiche zivilisatorische Wohltaten für die Menschheit geht, wie hier um das blitzschnelle Startklarmachen von Filmen und online-games, um die superrasante Datenübertragung für fahrerlose Autos (brauchen wir wirklich dringend!) und um intelligente Kühlschränke, die ihren Inhalt automatisch bei Zalando nachbestellen und nebenbei unsere Essgewohnheitsdaten aufzeichnen, um sie dann ungefragt an Google oder Santésuisse weiterzuleiten. – Für solche epochale Erleichterungen unseres Menschseins lohnt es sich doch wahrhaftig, den weniger robusten Zeitgenossen gewisse Risiken zuzumuten, zumal diese verschwindenden Minderheiten ja ohnehin schon daran sind, zu verschwinden. Dabei kann niemand behaupten, dass die Telecom-Firmen die Grenzwerte nicht ernst nähmen. Die Grenzwerte kann man vielmehr nicht hoch genug gewichten. In diesem Sinne will die Mobilfunkbranche die Grenzwerte sogar noch höher ansetzen, was letztlich allen zugute kommt, weil man auf diese Weise viele niedrigstrahlende Natelantennen, und damit Milliardenbeträge, einsparen kann. Und wenn jemand halt unbedingt eine starkbefahrene elekromagnetische Datenautobahn überqueren will, dann muss er sich halt im Swisscom-Shop einen Elektrosmogblocker-Strahlenschutzanzug besorgen. Für junge Männer empfiehlt es sich zusätzlich, ein «Sperma-Protection-Set» zu bestellen, erhältlich unter www.fortpflanz.komm.
 
Die Daten-Mobil-Transfer-Branche hält für uns ein ganzes Internet von Dingen bereit, die uns vor der eventuellen Strahlung schützen, welche das Internet der Dinge halt so mit sich bringt. Ja, warum sollen die Dinge nicht auch ein Internet haben? Zumal sie ja mit dem Fortschritt viel kompatibler sind als wir Menschen? Auch die robustesten Menschen fangen irgendwann einmal an, zu hyperventilieren und kompliziert zu tun, wenn mit zunehmendem Datentransfer die Strahlendosis bei 6G, 7G oder 8G noch weiter erhöht wird. – Und so wird der Fortschritt dann halt ohne Menschen erst recht ungehindert weitergehen, zum Wohle von ……, zum Wohle von… egal, … schauen Sie doch nach unter www.keineahnung.vergisses.
 
Christof Brassel 7.1.2020

--> Steiner Anzeiger: "Gwinnovation forever"
Die Nichtoligarchennichte...
Unsere Zeit ist geprägt von e-mails, e-bikes und e-cars, von e-banking und von e-denking, von e-smoking und e-voting und selbstverständlich auch immer wieder von e-gotrips. Bald können wir bei Amazon auch ohne umständlichen  Hauslieferdienst einen e-drink oder eine e-pizza bestellen. Mit ihrer I-pizza-connection haben der österreichische Inhaber eines politischen Bräunungsstudios und sein adliger Adlat allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. In einer Villa in I-biza wurden sie nämlich stilgerecht von I-rina, einer waschechten russischen Oligarchennichte empfangen, welche in Wirklichkeit allerdings eine Nichtoligarchennichte war. Jedenfalls entführte sie die beiden austriakischen Rechtsaussenminister oligarschkalt in deren eigene grosse weite Halbwelt, wo sie hemmungslos in ihrem cocktail-angeheizten Machtrausch schwelgten. Unter den Sirenengesängen dieser russischen Kosakin wurden der strache Mann und seine gude Nuss alsbald so butterweich, dass sie mental dort landeten, wo die Gummibärchen im Wodka-Red-Bull-Sumpf einander gude Nacht sagen.
 
Während sich die beiden flotten Austria-first-Buberln in ihrer Burschenherrlichkeit politisch selbst zur Stracke gebracht haben, warten viele andere stramm rechte Spezis in Europa und in den USA noch auf ihre russische Nichtendämmerung. Kann man soviel Blödheit denn überhaupt noch übertrumpen? Ja, mann kann! Im Falle des alles ertwitternden Supertrumpers müsste die russische Nichte allerdings wesentlich mehr als eine lumpige Viertelmilliarde Dollars ins Spiel bringen. Es müssten mindestens 5 Milliarden sein, „to build the wall“, und die Nichte müsste zudem einen leibhaftigen Putin-Doppelgänger im Schlepptau haben, der dem Superdonald dauernd mit den Worten „you are absolutely the greatest“ auf die Schultern klopfen würde.  Unter dem Einfluss einer solchen egomanischen Narkotisierung würde der unsterbliche Trumpator dem russian goodguy ohne weiteres  ein paar klitzekleine Staatsgeheimnisschen in sein stets offenes KGB-Ohr flüstern, worauf der Hereingetrumpte dann früher oder später aus seinem Amt gemullert würde.
 
Wie nun aber könnte eine russische Nichtoligarchennichte den römischen Imperator Matteo Schlavini, der sich bekanntlich vor allem von Tabubrüchen ernährt, ins Schleudern bringen? Jenen Schulterklopfer, der süchtig ist nach Härte und der nur Verachtung übrig hat für Mitgefühl und andere nicht mehr zeitgemässe Gefühlsregungen? Wenn man nun aber bedenkt, dass sein Erfolgsmodell „Tabubrucheskalation“ nur dann funktioniert, wenn die Abstumpfung des Volkes mit der zunehmenden Scheusslichkeit der Tabubrüche Schritt hält, wird klar, dass Politiker vom Schlage Schlavinis einen stets wachsenden flächendeckenden Volks-Abstumpfungsbedarf haben. Weil nun aber in Italien auch der heilige Franziskus von Assisi seine (für Schlavini ungünstigen) geistigen Spuren hinterlassen hat, lässt sich eine flächendeckende Abstumpfung des Volkes langfristig nur mit einer grossangelegten Beimengung des Wirkstoffes Brutalin im Trinkwasser erzielen. Die auf Schlavini angesetzte russische Nichte müsste diesem somit auf Jahre hinaus Milliardenbeträge für die laufende Beschaffung von Brutalin in Aussicht stellen, welches dann in geheimen Lizenzfabriken von Novartis in Russland hergestellt würde.  Mit der Enthüllung der megalomanen Pläne zur Zwangsnarkotisierung der gesamten Italianità würde die aus dem Nichts aufgetauchte Nichte dann die Politkarriere des  knallharten Schlavini buchstäblich vernichten.
 
 
Es ist wohl kein Zufall, dass fast  gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Ibiza-Videos der russischen Powernichte, welches gewissermassen die Abgründe eines politischen schwarzen Loches zutage gefördert hat, die rennomiertesten Teleskopstationen der Welt erstmals ein reales schwarzes Loch aus einer Entfernung von 55 Millionen Lichtjahren „fotografieren“ konnten. Die enthüllten Machenschaften dieses (zum Glück mega-weit entfernten) schwarzen Loches sind denn auch mindestens so skandalträchtig wie die Korruptions- und Machträusche der beiden entfesselten FPÖ-Rechtsaussis. Im einen Fall geht es um das alles verschlingende Nichts, im anderen um die Entschleierungsaktion der alles enthüllenden Nichte. Jedenfalls wird es Zeit, nicht nur in Österreich, von Wodka-Red-Bull auf ein Bierlein umzusteigen.

Christof Brassel, 11.6.2019
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