CH & Weltpolitik - SP-resso

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Zischenmenschliches (sic)...
Die Notwendigkeit, der Verbreitung des heimtückischen Virus, so gut es geht, Einhalt zu gebieten, wirft für unser alltägliches Verhalten zahlreiche, zum Teil auch ganz banale, aber dennoch tiefgreifende Fragen auf. Zumindest solange Gesichtsmasken nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen und in der Bevölkerung zur Anwendung kommen, stellt sich da unter anderem die Frage  nach unseren zwischenmenschlichen Begrüssungsritualen. Nachdem alle Rituale, welche mit Körperkontakt verbunden sind, wegen der Distanzregeln ohnehin entfallen, bedarf hier insbesondere das tiefverwurzelte Grüssen im Vorbeigehen einer eingehenden sprachepidemologischen Betrachtung: Soll ich im Vorbeigehen die ihrerseits an mir Vorübergehenden oder die an meinem «Wegrand» Stehenden überhaupt noch grüssen, beispielsweise auf einem Trottoir, wo der gebotene 2m – Abstand im Kreuzungszeitpunkt für rund 2 – 3 Sekunden nicht eingehalten werden kann (es sei denn mit riskanten Ausfallschritten auf die Strasse)? Oder soll ich grusslos oder nur verlegen dümmlich nickend an der betreffenden Person vorbeispazieren? Wenn man bedenkt, dass unsere Grussformeln zum grossen Teil aus potentiell virentransportierenden Zisch- oder Explosivlauten bestehen, hat diese Fragestellung durchaus ihre Berechtigung. Gerade das schweizweit am meisten verbreitete «Grüezi» ist trotz seiner scheinbar sprichwörtlichen Harmlosigkeit durchaus risikobehaftet, dies etwa im Gegensatz zum ebenfalls recht gängigen «Morgä», welches, mangels Zischlauten, eher als unbedenklich eingestuft werden kann. Äusserst bedenklich ist da jedoch die bundesdeutsche Minimalbegrüssung «Tach», enthält sie doch ein Outputpotential von beispielloser Wucht. Dem entsprechend gehe ich davon aus, dass das BAG wegen der risikoträchtigen Explosivlaute bis auf weiteres auch vom ansonsten harmlosen «Guete Tag» eher abrät. Lediglich das weiche baseldeutsche «gede Daag» mag da wohl als Light-Version noch durchgehen. Als sehr ungünstig erweist sich jedoch das berndeutsche «Grüessech», vor allem, wenn man bedenkt, dass ein echter Berner sich mit dem Gruss überhaupt und insbesondere auch mit dem zentralen Doppel-S reichlich Zeit lassen dürfte. Weniger Bedenken sind dagegen beim Ostschweizer «Hoi», beim deutschen «Hallooo» oder beim amerikanischen «Hi» angesagt, vorausgesetzt natürlich, dass das H nicht gehustet wird. Outputmässig ebenfalls eher als harmlos ist «good morning» einzustufen, ebenso das deutsche «Moain». Schon eher problematisch erscheint indessen das scheinbar arglos daherkommende «good afternoon» Das unscheinbare «ft» ist für Viren ein geradezu ideales Transportmedium.
 
Natürlich kommt es bei den Zisch-und Explosivlaut-Risiken, wie überall, immer auch auf die konkreten Begleitumstände an: Wenn ich z.B. auf dem schmalen Steg zum Inseli Werd einem Mönch begegne, der mich mit einem herzhaften «Grüessgott» (doppelter Output) begrüsst, dann versuche ich (leider mit begrenztem Erfolg) meine paranoiden Ängste über seine allfällige Seelsorgetätigkeit im Dienste infizierter Schwerkranker geflissentlich zu verscheuchen. Auch wenn mir z.B. ein Hundehalter (mit Hund) im Vorbeigehen entgegenruft «Är macht nüt …., är wott nume spilä!», bin ich bereits wieder einer Serie von klassischen Outputsilben ausgesetzt, und wenn der arglose «Hündeler» den Hund mit «Fuss» oder «Mach Platz» oder gar «Pfui» disziplinieren will, ist mir angesichts der weiträumig wirkenden Zisch- und Explosivlaute nicht wirklich gedient. Eine besonders heimtückische Virenschleuder ist sodann – gerade in der Dunkelheit – das ansonsten sympathische «buona notte», vor allem dann, wenn es mit deutschem Akzent ausgesprochen wird. Noch outputträchtiger ist allerdings das von einem unerbittlichen Integrationseffort geradezu sprühende «Grüzzi». Vom Sprech-Output her virologisch äusserst ungünstig sind schliesslich – ich bedaure, dies erwähnen zu müssen – fast alle in unserer physischen Welt stattfindenden Gottesdienste. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf die einzigartige Massierung von Zisch-, Knack-, Kratz- und Explosiv-Lauten in der österlichen Heilsbotschaft hat der Bundesrat denn auch die Abhaltung von realen Offline-Gottesdiensten gerade noch rechtzeitig untersagt. Man stelle sich vor, dass in tausenden von  Kirchen die Pfarrer/innen ihren Gemeindegliedern verkünden: «Jauchzet und frohlocket, denn Christus, Gottes Sohn, ist wahrhaftig (ft…) am dritten Tag von den Toten auferstanden! - Lasset uns preisen ohne Unterlass unseren starken Retter von Ewigkeit zu Ewigkeit!» Eine solche oder ähnlich geballte Ladung von frohlockenden Output-Silben (hier immerhin 32), womöglich sogar noch von der Kanzel herab, wäre wohl definitiv zu riskant gewesen, deshalb: Frohlockdown.
 

Christof Brassel,  14.4.2020

Die Vervirung...
So ein Virus kann uns Menschen als «corona der Schöpfung» schon recht in Vervirung bringen. Das fängt schon damit an, das wir nicht genau wissen, ob es nun der Virus oder das Virus heisst. Vermutlich passt wohl die männliche Form besser, weil der Virus doch sicher vor Virilität geradezu strotzen muss. Besonders virile Männer beklagen sich in letzter Zeit denn auch, dass Frauen zu ihnen zunehmend auf Distanz gehen. Eine zusätzliche Vervirung entsteht sodann durch die allgegenwärtige verständliche Angst vor dem Virus. Wir versuchen uns von den Viren abzugrenzen, stabile Grenzen zwischen dem Wir und dem Vir zu errichten. Die Viren stammen nach bisherigen Erkenntnissen offenbar aus dem chinesischen Wuhan, wo unter anderem bekanntlich unsere Wu-Handies produziert werden. Der grosse Vorsitzende In-Fi-Zi, der Herr über alle Geschichtsmasken, hat inzwischen die Geschichtserkennung geändert und verbreitet die Botschaft, die Viren stammten aus Vir-ginia oder sonst aus den Vireinigten Staaten. Dabei hatte doch der allgewaltige In-Fi-Zi selber die neue Seidenstrasse von Beijing und Wuhan nach Mai Lan projektiert, auf der nun die Viren nach Norditalien eingesickert sind. Der heutige Big Chief in Washington behauptet seinerseits, er habe alles «under control», die USA seien praktisch «vireless», und die Viren stammten alle von bad people aus Viropa oder aus irgendwelchen iranischen Koronschulen. In Viropa wiederum hält man sich fern von Vira Italia und verzichtet vorsichtshalber auf «Spaghetti coronara» und auf «viramisu». Stattdessen herrscht in allen Supermärkten ein Ansturm auf italofreie Teigwaren, Büchsenraviroli und WC-Papier. Während die Hamsterkäufer/innen ihr WC-Papier meist papierlos bezahlen, werden die standhaften Bargeldbenutzer (darunter ich z.B.) wegen des Virus allmählich als üble Schmutzfinken beargwöhnt. Dabei könnte dieses hygienische Problem ohne weiteres mit einer regelmässigen gründlichen Geldwäscherei (dies im wortwörtlichen Sinne) gelöst werden.
 
Es gibt jedoch auch erfreuliche Nachrichten: Bedingt durch die derzeitige Krise entwickeln die Menschen allmählich ein neues Vir-Gefühl: Man kommt sich
gegenseitig näher, indem man zueinander respektvoll Distanz hält. Zudem gibt es plötzlich eine Riesenauswahl an Nichtereignissen, an denen man allen nicht
teilnehmen kann. Dieser Umstand hat – bei allem Bedauern – natürlich auch etwas Tröstliches: Wo man früher aus der Fülle der Veranstaltungen nur eine einzige auswählen konnte, verpasste man gleichzeitig unentrinnbar hunderte von anderen Anlässen. In der gegenwärtigen absageträchtigen Situation verpasst man jedoch gar nichts mehr, weil nämlich gar nichts mehr stattfindet.
Was die vielgerühmte Gelassenheit angeht, so scheint es doch eher fragwürdig, soweit zu gehen wie der ultrakatholische  Weihbischof Eleganti. Dieser ärgert sich darüber, dass in den Kirchen die Weihwasserbecken aus hygienischen Gründen entweihwässert wurden. Wer einen starken Glauben habe, dem könne das priesterlich geweihte Wasser (aller Vervirung zum Trotz) doch nichts anhaben. Der elegante Hirte des Herrn vergisst hier, dass es halt auch Menschen mit nur mittelstarkem oder schwachem Glauben gibt, die man dennoch nicht unnötig der Virulenz der Naturgesetze aussetzen sollte. Ausserdem hat diese Welt weissgott auch sonst schon genügend Bedarf an göttlicher Wundertätigkeit. Da muss man den Wunderbedarf nicht zusätzlich noch durch sakrales Roulette strapazieren. Bei aller Eleganz der beschriebenen weihbischöflichen Glaubensakrobatik fällt es mir schwer, in ein begeistertes «Wow-Bischof!» einzustimmen, stattdessen muss ich mich ernsthaft fragen: «Why?-Bischof» …

Christof Brassel 18.03.2020

Steiner Anzeiger: 2020-04-28 "Die Vervirung"
 
Man kann Christof Brassel auch hören...
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Crypto-Valley...
Jetzt haben wir Schweizer endlich wieder einmal einen filmreifen süffigen Geheimdienstskandal, der sich mit allen obskuren Wassern eines Agenten-Thrillers gewaschen hat. Die Bestürzung über die Verwicklung unseres Staates in die dubiosen Machenschaften von CIA und BND hält sich die Waage mit der Genugtuung, dass wir nun endlich auch wieder einmal nicht nur mit todlangweiligen Steuerflucht- und Rohstoff-Raffgiergeschichten, sondern mit einem prickelnd üppigen Spionagekrimi im Rampenlicht des Weltgeschehens stehen.
 
Verlässliche Informationen darüber, wer alles aus der Galerie unserer Bundesbehörden von diesen kryptischen Verstrickungen wusste, werden wir wohl erst dann haben, wenn ein einschlägiger Bericht einer Untersuchungskommission vorliegt. Vorerst ist unser Vorstellungsbild der Ereignisse auf allerlei kryptische Hinweise, auf Vermutungen und auf mehr oder weniger eloquente oder demente Dementis angewiesen. Dass der Bundesrat (bzw. seine damaligen Mitglieder) nichts von allem gewusst hat, wundert uns überhaupt nicht; denn es ist doch nachgerade die Pflicht eines jeden Bundesrates (ob noch im Amt oder schon ausgedient), in solchen heiklen Situationen nichts von allem gewusst zu haben. In jener Phase, als ca. 1993 erste Verdachtsanzeichen über die manipulativen Verstrickungen der Crypto AG aus dem Zuger Crypto-Valley nach Bundesbern schwappten, und als die US-Botschaft bei der Bundespolizei gratis jenen Sand anlieferte, in welchem das dortige Untersuchungsverfahren dann verlief, - in jener Phase hat der Bundesrat in weiser Vorausschau vielleicht sogar einen amtlichen Beschluss gefasst, dass er von allem nichts wusste. Ein solcher Feststellungsbeschluss dürfte allerdings, um sich selbst nicht zu widerlegen, keinerlei Angaben darüber enthalten, was genau unter «von allem» zu verstehen war. Der Bundesrat könnte ja angesichts der immer und überall lauernden Gefahr, dass man ihn später einmal irgendeines verfänglichen Mitwissens verdächtigen könnte, in periodischen Zeitintervallen quasi routinemässig präventiv amtlich feststellen, dass er eben «von allem» nichts wisse. Diesen Nichtswissensbeschluss könnte er dann später bei einem allfällig auftauchenden  Wissensverdacht (in Bezug auf was auch immer) jederzeit zu seiner Entlastung vorlegen. Eine solche allgemein gehaltene Ahnungslosigkeitsbescheinigung, wäre, weil sie sich ja auf «alles» bezieht, im konkreten Bedarfsfall äusserst vielseitig verwendbar. Die Aussage, dass man als Regierungs- oder sonst als hohes Behördenmitglied «von allem» nichts gewusst habe, darf allerdings nicht allzu sehr strapaziert werden, da durch ihre allzu häufige Verwendung der Eindruck behördlicher Kompetenz doch in krasser Weise beschädigt würde. Man müsste dann zur Schadensbegrenzung der Feststellung, dass man von allem nichts gewusst habe, den autoritätswahrenden Nachsatz beifügen, dass man jedoch von nichts durchaus alles wisse.
 
Da «dies alles» zeitlich zum Teil schon lange zurückliegt, ist es allerdings auch möglich, dass der Bundesrat (bzw. der eine oder andere seiner damaligen Protagonisten) das Nichts, das er damals «von allem» wusste, inzwischen zusätzlich noch völlig vergessen hat, sodass nun nichts mehr von dem Nichts übrigbleibt, das er damals «von allem» gewusst hat.  
 
Nach dem Auffliegen der amerikanisch-deutsch «getürkten» Chiffriergeräte aus dem Zuger Crypto-Valley wird es die schweizerische Exportwirtschaft nun natürlich sehr schwer haben, die Beliebtheit ihrer Produkte auf einem akzeptablen Niveau zu halten. Beim Emmentalerkäse wird man künftig in jedem Loch ein CIA-Nano-Abhörchip vermuten. Im selben Verdacht stehen fortan auch die bisher höchst beliebten Rolex-Uhren, ebenso die Herzschrittmacher, «Gen-Tech-Scheren» und Goldbarren. «Made in Schlitzerland» wird unser ultimatives Markenzeichen sein. Vor einem solchen Debakel kann uns nur noch ein genialer territorialchirurgischer Befreiungsschlag retten: Wir treten den Kanton Zug samt allen seinen schummrigen Steuerfluchtresorts, Raubbauholdings und Crypto-Valleys per sofort an Liechtenstein ab. So werden wir uns nicht nur in der vorliegenden Langley-Zug-connection, sondern auch noch in weiterer Zugkunft wenigstens die schlimmsten Reputationsrisiken vom Halse schaffen. Den neu entstehenden «Bad-State» könnte man dann vielleicht «Liechtensteinhausen» oder «Corryptistan» nennen.
 
Die Filmrechte für den künftigen Crypto-Agenten-Thriller werden wir uns jedoch vor dieser Auslagerung noch rechtzeitig sichern. Von der medialen Ausschlachtung unserer eigenen Schummeleien, von diesem lukrativen Enthüllungshype, möchten wir doch gerne selber profitieren. So freuen wir uns schon jetzt auf den atemberaubenden Chiffrier-Agententhriller mit dem Titel: «Auf sinkendem Schiff friert man nur einmal» mit zahlreichen Alt-Bundesräten und Alt-Bond-Girls in tragikomischer Heldenrolle.

 
Christof Brassel 20.2.2020
 
 
Haupzach rüschtig...
Der Pilatus
isch au nüm der Jüngscht,
aber är isch no rüschtig,
überall unterwägs.
Golfspielä haltet fit,
persische Golf, Saudi-Arabie,
Emirat und Tat,
vo Stans bis Kasachstans,
für der Pilatus ka Sach,
Haupzach: rüschtig.

D’ Saudis sind halt e chli Rowdies,
und mängsmol tötelet `s halt e chli.
Jemä, Jemerlinei.
Das isch halt so, weme rüschtig isch.

Rüschtig bringt Jöbs für vili,
und macht au, dass vili bald kei Jöbs meh bruuche.
Sone Job isch halt knallhart,
und sicher ka Schoggijob.
Zum Glück isch der Pilatus no rüschtig gnueg
mit em perversische Golfschleger,
Haupzach, är wäscht sich nochhär d’ Händ, der Pilatus.

Em Saudi isch es au voll egal, ob
das jetz Chriegsmaterial isch oder nid,
Haupzach, är kriegt `s Material.
`S Business goht au steinigi Wäg,
wenn `s mues sii, und wird öpper gsteiniget,
denn schwigt me lieber,
und gäge Peitschehieb
hilft Pilates und Pei Tschii.

Und vo wäge Kashoggi, wahabitteschön!
Schwyzer Militärschoggi, sit wenn isch das Chriegsmaterial?
Aber für so heikli Geschäft het der Pilatus zum Glück der Ueli.
Erscht grad isch dä zum echli go Höbelä
bim Puting und bim Jinping xi,
Haupzach Business,  
und är sorgt für’s Klima,
für’s Wildweschtmentklima,
mit enere Saudiänz
bim Prinz Mohammed bin Salman.
Mit der Swiss-Wirtschaftsuelitä
mit em Uelikopter
echli go chille bim Prinz Killman,
Gsetz hin oder här, Haupzach Uusfüerigsbestimmige,
und was me denn uusfüehrt,
do chunnt`s nit so druf aa
bim Ueli, bim Pilatus und bim Salman.
Haupzach fit for business,
und noch jedem Deal:
Händwäsche mit Kleenex-Flüssig,
wäsch for cash,
god seif de Prinz,
god seif Ueli,
Stützliländ gwinnschallah,
Haupzach rüschtig.

Christof Brassel, 31.1.2020
«Gwinnovation forever»
Wie gefährlich diese 5G-Strahlung nun effektiv ist, kann ich als abgebrühtes wandelndes 4G-Strahlenlöchersieb beim besten Willen nicht sagen. Da sollte man wohl zuerst eine Langzeitstudie im Zeitraffer durchführen, welche dann wohl mangels eines klaren Ergebnisses auf das Schema «den Letzten beisst die Beweislast» hinauslaufen wird. Wie auch immer: Abgebrüht und robust zu sein, empfiehlt sich heute so oder so. Wollten wir auf alle empfindlichen Minderheiten Rücksicht nehmen, bliebe am Ende wohl unser ganzer strahlender technologischer Fortschritt auf der Strecke. Es kann doch nicht sein, dass die robuste Mehrheit wegen ein paar nervigen Allergikern (und Allergikerinnen) auf das sekundenschnelle Streaming von Netflix-Blockbustern verzichten muss. Ja, und wenn dann so ein paar fleissige Bienchen Navigationsstörungen bekommen, dann gibt es halt in Zukunft mehr Nutella statt Honig zum Frühstück.
 
Diese Hypersensibis, diese Bienenzüchter und Artenvielfalter sollen doch zuerst einmal beweisen, dass die 5G-Strahlung wirklich schädlich ist. Wenn nämlich immer der Fortschritt beweisen müsste, dass er harmlos ist, wokämenwirdahin? Bei soviel «Öko-Wenn-und-Aber» müssten wir wohl auch heute noch in einem Bärenfell um ein Feuer tanzen. Im Unterschied zu damals würde man uns heute allerdings aus Tierschutzgründen sogar noch das Bärenfell wegnehmen. Aber auch die Steinzeitmenschen konnten mit dem Pilzverzehr ja nicht immer warten, bis die Ungiftigkeit feststand, ein bisschen russisches Roulette war bei Innovationen schon immer nötig. Trial and error – wenn nötig halt am lebendigen Objekt – waren schon eh und je die Entwicklungsimpulse der Zivilisation. Gewisse Risiken muss man halt eingehen, vor allem, wenn es um so segensreiche zivilisatorische Wohltaten für die Menschheit geht, wie hier um das blitzschnelle Startklarmachen von Filmen und online-games, um die superrasante Datenübertragung für fahrerlose Autos (brauchen wir wirklich dringend!) und um intelligente Kühlschränke, die ihren Inhalt automatisch bei Zalando nachbestellen und nebenbei unsere Essgewohnheitsdaten aufzeichnen, um sie dann ungefragt an Google oder Santésuisse weiterzuleiten. – Für solche epochale Erleichterungen unseres Menschseins lohnt es sich doch wahrhaftig, den weniger robusten Zeitgenossen gewisse Risiken zuzumuten, zumal diese verschwindenden Minderheiten ja ohnehin schon daran sind, zu verschwinden. Dabei kann niemand behaupten, dass die Telecom-Firmen die Grenzwerte nicht ernst nähmen. Die Grenzwerte kann man vielmehr nicht hoch genug gewichten. In diesem Sinne will die Mobilfunkbranche die Grenzwerte sogar noch höher ansetzen, was letztlich allen zugute kommt, weil man auf diese Weise viele niedrigstrahlende Natelantennen, und damit Milliardenbeträge, einsparen kann. Und wenn jemand halt unbedingt eine starkbefahrene elekromagnetische Datenautobahn überqueren will, dann muss er sich halt im Swisscom-Shop einen Elektrosmogblocker-Strahlenschutzanzug besorgen. Für junge Männer empfiehlt es sich zusätzlich, ein «Sperma-Protection-Set» zu bestellen, erhältlich unter www.fortpflanz.komm.
 
Die Daten-Mobil-Transfer-Branche hält für uns ein ganzes Internet von Dingen bereit, die uns vor der eventuellen Strahlung schützen, welche das Internet der Dinge halt so mit sich bringt. Ja, warum sollen die Dinge nicht auch ein Internet haben? Zumal sie ja mit dem Fortschritt viel kompatibler sind als wir Menschen? Auch die robustesten Menschen fangen irgendwann einmal an, zu hyperventilieren und kompliziert zu tun, wenn mit zunehmendem Datentransfer die Strahlendosis bei 6G, 7G oder 8G noch weiter erhöht wird. – Und so wird der Fortschritt dann halt ohne Menschen erst recht ungehindert weitergehen, zum Wohle von ……, zum Wohle von… egal, … schauen Sie doch nach unter www.keineahnung.vergisses.
 
Christof Brassel 7.1.2020

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