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Volle Röstung
 
In einer Zeit, in der wir eigentlich jeden Tag einen tollkühnen Grund zum Feiern haben, dass die Welt noch nicht wegen unseres Raubbau-Verhaltens untergegangen ist, erscheint es gewiss nicht abwegig, sich auch mit der Frage herumzuschlagen, wie wir diesen Untergang gegebenenfalls auch aktiv noch etwas hinauszögern oder ihn unter Inkaufnahme diverser Lifestyle-Einbussen allenfalls sogar (bis auf weiteres) ganz abwenden könnten. In dieser geo- und klimapolitisch äusserst kritischen Weltsituation, in der sich europaweit Klimawissenschaftlerinnen mit Sekundenkleber an Autobahnen kleben, um die Öffentlichkeit gewissermassen in letzter Sekunde vom Klebenbleiben an den ressourcenverschlingenden Verhaltensmustern abzuhalten – in dieser dramatischen Situation ist die politische Schweiz von der scheinbar höchst undramatischen Frage absorbiert, welcher «Knuschti» oder welche «Knuschtina» von der grossen klimapolitischen Bremserpartei für den abgehenden «Bundesueli» nachrücken soll. In seiner überaus «gmögigen» Art hat sich der fossil allseits gut vernetzte «Albert Erdölgan Röschti» nach vorne «ge’ellböglet». Unvergessen ist da natürlich, wie er 2021 als damaliger Präsident der «Swissoil» an der gut geölten Desinformationskampagne zur Versenkung des CO2-Gesetzes mitgewirkt hat, in effizienter Koordination mit diversen anderen Lobbyorganisationen wie Autoschweiz (wo er inzwischen Präsident ist) und Hauseigentümerverband (Präsident derzeit noch «Iwan Egloff»). Matchentscheidend war damals die gezielt gestiftete Verwirrung über die energiesparende Einrichtung der Lenkungsabgabe und die Verhöhnung und öffentliche «Röstung» dieses Instrumentes. Gerade nach dem denkwürdigen Sommer 2022, in welchem Menschen und Natur in unerträglichem Ausmass von der knalligen Sonne «geröstet» wurden, müsste man nun eigentlich gegenüber einer Bundesratskandidatur von Albert Rösti, von dem sogar der Blick unlängst behauptet hat, er habe «Benzin im Blut», zumindest weitreichende Vorbehalte erwarten. Seine erfolgreiche – bisher vor allem klimaschädliche – Lobbytätigkeit hat ihm jedoch den bizarren Ruf eines derart wirkmächtigen Lobbyisten verschafft, dass manche bundesbernische Politiker (bis in den lifestylegrünen Bereich hinein) ihm die Fähigkeit zutrauen, er könne als künftiger Bundesrat sogar mit dem Klima höchstpersönlich noch die einen oder anderen Vorteile – wenigstens für die Schweiz – heraushandeln. Auch das ehrgeizigste Tiefbauprojekt der Schweiz, die Auffüllung des Röstigrabens (womöglich mit Bauschutt aus dem dereinstigen Grimseltunnel) traut man dem Albert Rösti aus naheliegenden Gründen am ehesten zu, wenn man auch zugeben muss, dass für ein solches Bauvorhaben, ausser für die Bauwirtschaft, keinerlei Dringlichkeit besteht. Wenn man sich sodann die kürzlich erfolgte gigantische Erhöhung der schweizerischen «Röstungsausgaben» vergegenwärtigt, liegt es nahe, hinter dieser plötzlichen unspezifizierten «Aufröstungsbereitschaft» nicht zuletzt auch den stillen Einfluss des «Röstungsexperten» aus Kandersteg zu vermuten. Obwohl vieles dagegenspricht, ist zu erwarten, dass sich die vereinigte Bundesversammlung einmal mehr für die «volle Röstung» entscheiden wird. Vielleicht wäre es anders, wenn die Bundesratswahl statt im Dezember in der drückenden Sommerhitze stattfände. So können wir nur noch in Anlehnung an den schönen Schweizerpsalm ausrufen: …Wenn der Alpen Firn sich röstet, wird Klimaschutz nochmals vertröstet … denn die fromme Seele ahnt, denn die fromme Seele ahnt, - ja was ahnt sie denn? Wie auch immer: Wenn sie das ahnt, was wir leider ahnen müssen, dass sie es ahnt, dann ahnen wir schon, dass sie sich in Ahnungslosigkeit flüchten wird.
 
P.S: - Und wenn wir alle in komfortabler Ahnungslosigkeit, weitab von sekundenklebenden Klimawissenschaftlerinnen schweben, dann können wir uns freuen, dass unser Bundesratsmenu um eine währschafte Berner-Röschti bereichert wird. Eine ideale Ergänzung für die St. Galler Bratwurst und den Freiburger Vacherin, samt Parmesan und Cassis de Dijon. La cheffe de cuisine steht bereits erwartungsvoll Amherd.

Christof Brassel, 24.11.2022
Musik durchdringt alle «Gartenzäune»:
 
Das Streben nach klar abgrenzbarer Reinheit steht aus meiner Sicht im Widerspruch zu jedem lebendigen Kulturverständnis. Jede Kultur hat sich von Anfang an auch aus Elementen anderer Kulturen entwickelt. Worauf es in der Debatte um die «kulturelle Aneignung» ankommt, ist meines Erachtens nicht das Befolgen irgendeines Verhaltenskodexes, sondern vielmehr der Grundsatz, dass alle Kulturen in ihrem Bestand und Wandel wertgeschätzt und respektiert werden, insbesondere auch in ihrem inspirierenden Einfluss auf andere Kulturen. Einer Kultur, die sich als Ausdruck einer unterdrückten Volksgruppe entwickelt hat, hilft es gar nichts, wenn es anderen «Kulturen» verboten wird, Elemente ihrer Kultur aufzunehmen und so neue Ausdrucksformen hervorzubringen. Mit dem Anbringen von «Gartenzäunen» um bestimmte Kulturformen wird nicht der Respekt gefördert, sondern die Ghettoisierung und der ethnische Reinheitskult (ein Phänomen, das vor allem in Ideologien am rechten Rand auftritt). Gerade für die politische Linke ist es elementar, dass verschiedene kulturelle Ausdrucksformen sich miteinander verbinden und weiterentwickeln können. Im Kampf gegen Unterdrückung, Kommerzialisierung und Machtmissbrauch hilft kleinkariertes «Gartenhägli»-Denken überhaupt nicht weiter. Solange europäische Musiker/innen mit Rasta-Frisuren und afrokaribischem Musikstil mit dem gebührenden Respekt vor der anderen Kultur auftreten (und dies auch offen so aussprechen) ist dagegen aus dem Gesichtspunkt von Befreiung und Menschenwürde nicht im Geringsten etwas einzuwenden. Rigides kulturelles Abgrenzungsdenken ist das Gegenteil von Emanzipation. Worauf es ankommt, ist der offene Geist und die Respektierung der kulturellen Vielfalt. Mit kleinkrämerischer Korrektheitsprogrammatik führt sich die Linke (wie seinerzeit schon bei den dogmatischen K-Splittergruppen in den 70-er Jahren) ad absurdum und liefert der rechtslastig-autoritären Propaganda nur unnötige Steilpässe zur billigen Diffamierung all’ jener, die sich für die Menschenrechte und mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen. Zur Befreiung aus den bestehenden vielschichtigen Formen von Knechtschaft (auch im Bereich Kultur-Kommerz) braucht es nicht neue kulturelle Einzäunungen, sondern in mentaler Hinsicht vor allem einmal genügend Luft zum Atmen – für alle.

Christof Brassel, 15.08.2022

«Ganz alain»
Dass der Bundesrat sich Ende Juni 2021 für den amerikanischen Lockheed-Tarnkappen-Kampfjet F-35 entschieden hat, obwohl er der französischen Regierung noch kurz zuvor Hoffnungen auf einen Kampfjet-Deal im Hinblick auf das Modell «Rafale» der Firma Dassault machte, hat die Franzosen nachhaltig verärgert. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die französische Luftwaffe am 5. Juli 2022, ein Jahr später, die Gelegenheit beim Schopf packte, als sie feststellte, dass Bundesrat Alain Berset – «ganz alain» – in einem «Cessna-Sportflugi» durch Frankreichs Luftraum tuckerte. Endlich konnte man der treulosen Schweiz einen Denkzettel verpassen («manquer une note de réflexion»?!?). Endlich konnte man es diesen frechen Helvetiern heimzahlen («payer à la maison»?!?). Alain Berset wurde nun also von zwei formidablen Dassault-Kampfjets – Modell «Raff-Alain» - flugtechnisch perfekt eingekeilt und zur Landung gezwungen. Zum Glück wurde er dann von der Luft-Gendarmerie – gewissermasen auf Bewährung – wieder auf freien «Fussabdruck» gesetzt, sonst wäre in Stein am Rhein womöglich noch die diesjährige 1.- August-Rede ausgefallen. Umso mehr freuen wir uns nun aber in unserem Städtchen - ganz oben in der Schweiz –, dass dieser «wakkere» Sportflieger mit uns am «déjeuner féderal» doch noch das 50-jährige Wakker-Preis-Jubiläum feiern wird. Auch in Stein am Rhein wird unser Kulturminister Berset «bersönlich» «ganz alain» unterwegs sein, ohne sein übliches «Begleit-Bersonal». Ob er mit dem Bundesrats-Heli direkt aus Bern oder oder aus seinem freiburgischen Wohnort «Bersepolis» anreisen wird, ist vorerst noch geheim. Vielleicht ist ihm die Fliegerei inzwischen auch etwas verleidet, und er nimmt ganz entspannt den Stammheimer TGV. Über den Inhalt der 1.- August-Rede können wir natürlich nur Mutmassungen anstellen, aber nachdem Alain Berset kürzlich am eigenen Leib erfahren hat, wozu man Kampfjets in einem relativen Ernstfall gebrauchen kann, wird er nun wohl – ganz im Sinne eines «wakkeren» Heimatschutzes – dafür plädieren, dass der Tarnkappen-(«bonnet de camouflage»)-Kampfjet F-35 so rasch als möglich angeschafft wird, da man ja nie weiss, ob sich plötzlich übergriffige ausländische Regierungsmitglieder unbefugt im schweizerischen Luftraum herumtreiben, und dies womöglich mit derart hochgetunten Sportflugzeugen, dass man ihnen nur noch mit dem F-35 beikommt. Unser Alain-féderal wird wohl auch «perdre quelques mots» über unser Europaparadox, wonach wir trotz unseres helvetischen Alleinganges nicht einfach «ganz alain» sind. Als Einwohner des freiburgischen «Bersepolis» wird Alain Berset sodann vermutlich auch an das originale, mit P geschriebene persische Persepolis erinnern, das bekanntlich bereits im Jahre 330 vor Christus von Alexander dem «Grossen» zerstört wurde. Der Kulturminister wird die «Steinwohnerschaft» zur «Wakksamkeit» gegenüber jeder Form von destruktiver Grossspurigkeit aufrufen und uns dabei womöglich das Steiner Wandbild am Haus zur Sonne in Erinnerung rufen. In der dort abgebildeten Szene steht bekanntlich der besagte Alexander der Grosse dem Fassbewohner Diogenes vor der Sonne, worauf Diogenes dem Grossherrscher auf dessen Frage nach einem Wunsch ganz unaufgeregt aber mit klaren Worten zu verstehen gibt, er möge ihm doch bitte aus der Sonne gehen. Die Diogenes-Wandbildszene zeigt in diesem Sinn exemplarisch, dass es im öffentlichen Leben immer wieder darum geht, allen, die sich wie grossspurige Alexander aufführen, rechtzeitig und unmissverständlich die Grenzen ihrer Macht aufzuzeigen. Das alte Persepolis hätte in städtebaulicher Hinsicht ohne weiteres einen Wakkerpreis verdient. Leider wurde es vom besagten Alexander drei Jahre nach der Eroberungsschlacht von Issos blindwütig zerstört, lange bevor es auch nur in Ansätzen so etwas wie einen Wakkerpreis gab. Persepolis ist in diesem Sinne ein hochaktuelles Thema überall auf dieser Welt. Und überall dort, wo es – auf welche Art auch immer – zerstört wird, geht es darum, es «wakker» wiederaufzubauen, oder noch besser: die Zerstörung «wakker» zu verhindern – auch dann, wenn wir mit diesem Anliegen zunächst nur «ganz alain» dastehen…

Christof Brassel, 19.07.2022

Steiner-Anzeiger: 2022-07-26 "Ganz alain"
Die «Uferlos-lose» Zeit:
Als ich kürzlich mein Stammlokal an der Rheinpromenade aufsuchen wollte, stand ich unversehens vor geschlossener Türe. «Ja nu, denn», so etwas kommt halt schon mal vor, nicht umsonst heisst dieser Warteschlaufen-Monat «Ja nu»-ar. Das Strandcafé «Uferlos» ist bis zum 10. Februar geschlossen. Bis dahin ist dort gar nichts los, nicht einmal das Ufer ist los, nur die uferlos-lose Zeit dümpelt auf der schiffslosen Schifflände dahin, während die unverrückbar-verrückten Betonpilze sich an einer lokalhistorisch-therapeutischen Familienaufstellung beteiligen, in welcher sich ihrerseits kaum etwas bewegt. In einer derart uferlos-losen Zeit begebe ich mich dann halt zum Café Späth, wo ich dann aber, wie bereits der Name sagt, leider ebenfalls zu spät dran bin, weil dort gerade dienstagshalber der Dienst eingestellt ist. «Ja nu!- ar-ge» Enttäuschung… Doch die uferlos-lose Zeit werde ich schon irgendwie überbrücken, sofern ich für diese Brücke zwei halbwegs passende Ufer finde. Aber wie überbrückt man eine Uferlosigkeit? Und noch schwieriger: wie überbrückt man eine «Uferlos-losigkeit»? Schicksalsergeben male ich mir aus, was passieren würde, wenn mein Stammlokal z.B. «Trostlos» hiesse? Ein solches Café «Trostlos» wäre ganz bestimmt jederzeit durchgehend geöffnet, was für mich und meine Stimmungslage jedoch kaum mit einem wirklichen Trost verbunden wäre. Ebenso deprimierend müsste sich wohl auch die Einkehr in einer Bar «Aussichtslos», «Sinnlos», «Atemlos», «Ruhelos» oder «Rücksichtslos» auswirken. Warum ziehe ich denn das «Uferlose» allem anderen vor, das ich ebenfalls loswerden könnte? - Vielleicht ist das «Uferlos» ja auch nur zu neuen Ufern aufgebrochen, vielleicht wird am 10. Februar dann eine ausufernde «Ufer-Türe» ertönen, die imstande ist, sämtliche Steine am Rhein zu erweichen, sogar die tonnenschwer-diebstahlsicheren Betonpilze. Dann wird am Ufer endlich wieder etwas los sein, und die Zeit wird ihre Uferlosigkeit allmählich wieder zurückgewinnen, geduldig damit beschäftigt, die Gegenwart samt des uferlos-losen Januars in die Vergangenheit hinabzuwälzen. Man wird sich wieder uferlos freuen über den feinen Espresso, über das klapperige Festbank- und Industriedesign, über die pittoresken Lampen, an denen man sich früher jeweils den Kopf angeschlagen hat (in letzter Zeit seltsamerweise nicht mehr) und darüber, dass man an diesem uferlosen Ort auf eine unaufgeregte Art jederzeit willkommen ist, egal von welchem Ufer man/frau herkommt, von Vorderbrugg oder Hinterbrugg, von einem kleinen oder vom Grossen Kanton, vom Turkgau, von Schaffhusistan oder Germanistan, vom No-e-Wili oder vom Hohentwili. Es muss auch gar nicht immer soviel los sein im Uferlos, gerade die wohltuende Unaufgeregtheit ist auf eine angenehme Art aufregend. So freue ich mich nun eben «uferschämt» auf die «Ufertüre» des «Uferlos» – Und in der «uferlos-losen» Zwischenzeit sage ich mir dann halt: «Ja nu! – Es wird ja bald: Fe bru…»
                                                                         
Christof Brassel, 17.01.2022

Das Modul
 
Als ich kürzlich am Rheinufer gedankenversunken mit einem Coffee-to-go unterwegs war, welchen ich – seinem wörtlichen Sinn entsprechend – langsam während des Gehens schluckweise in mich hineingoss, da stellte sich mir plötzlich, wie angeworfen, ein «künstlich-intelligentes Modul» in den Weg. Ich hatte vorher noch nie ein «KI-Modul» gesehen, aber dies hier musste nun – meinen gesammelten Vermutungen gemäss – zweifelsfrei ein solches KI-Modul sein. Vor Schreck verschüttete ich einen beträchtlichen Teil meines togolesischen Kaffees, zur Hauptsache direkt auf das Modul, welches nun wegen der Kaffeespritzer nervös rot und blau zu blinken begann. Über das Verhalten von KI-Modulen weiss ich so gut wie nichts. Das Einzige, was ich weiss: «Bei einem Modul weiss man nie!» Ich zog es daher vor, dem Modul aus dem Weg zu gehen, und versuchte, mich unauffällig zu entfernen. Doch als ich nach einigen Schritten zurückschaute, stellte ich fest, dass das Modul mich seinerseits ebenso «unauffällig» verfolgte. Als ich erneut versuchte, so ganz beiläufig den Ort des Geschehens zu verlassen, da war aus dem Modul plötzlich eine Lautsprecherstimme zu hören: «Dieser Mann hier hat gefährliche Gedanken!» Diesen Satz wiederholte das Modul unablässig: «Dieser Mann hier hat gefährliche Gedanken. Dieser Mann hier hat gefährliche Gedanken…». Die Sache wurde mir langsam ungemütlich, und allmählich sammelte sich auf dem Platz eine wachsende Traube von Schaulustigen an, die womöglich annahmen, es handle sich hier um ein absurdes Strassentheater über die Kommunikationsprobleme zwischen Mensch und Maschine. Unvermittelt kam mir der Gedanke, dass das aufgeregte Modul sich in seiner kybernetischen Nervosität am Ende gar noch in den Rhein hineinmanövrieren könnte. Da erhob es erneut seine Maschinenstimme und zeterte: «Dieser Mann hat gefährliche Gedanken. Er will mich in den Rhein reinschmeissen!» Auch diese Botschaft verkündete das Modul im Endlos-Modus. Irgendwie, so schien mir, musste ich da wohl etwas klarstellen, und so erklärte ich laut und deutlich, dass das blinkende Modul hier reinen Unsinn verbreite. Das Modul entgegnete sogleich: «Ja, dieser gefährliche Mann will mich aus reinem Unsinn in den Rhein reinschmeissen! ….. will mich aus reinem Unsinn in den Rhein reinschmeissen, aus reinem Unsinn in den Rhein rein…». Die Gedankenerfassungstechnik des KI-Moduls war offensichtlich mit einer fatalen Wahrnehmungsstörung belastet. Womöglich war das Modul aus einem Labor von «Neuralink» entwichen, einer Firma von Elon Musk, die sich unter dem harmlos-unverfänglichen Titel «brain-computer-interface» mit Forschung auf dem Gebiet Gedankenerkennung und - kontrolle befasst. Ich riet dem Modul deshalb, es solle doch baldmöglichst zur Generalrevision nach San Francisco ins Neuralink-Labor von Elon Musk zurückkehren. Da schrie das Modul in höchster Erregung: «So etwas darf niemand wissen. So etwas darf niemand wissen… niemand wissen… niemand…nie!!!». Dabei geriet es derart ausser sich, dass es in wilder Raserei auf dem Rheinuferplatz herumkurvte, ein dekoratives pilzförmiges Betonelement streifte und dann unkontrolliert geradewegs in den Rhein reinraste. – Polizeitaucher holten das in den Rhein gestürzte Modul dann später in ziemlich lädiertem Zustand wieder heraus und übergaben es der Staatsanwaltschaft zur Abklärung dieses bizarren Ereignisses. Ich selber erhielt bald darauf eine Vorladung zur polizeilichen Befragung – einstweilen nur als Auskunftsperson. Zeitgleich mit dem besagten Vorfall am Rheinufer spielte sich an einem exklusiven Managerseminar «for the leaders of the next generation» in der Nobel-Location «Vienna-House» in Schaffhausen folgende Szene ab: Vor dem wartenden Exklusivpublikum suchte der eigens angereiste Technology-Star Elon Musk, unterstützt von seinen zahlreichen technischen Assistenten und Assistentinnen, mit aufgeregten Anrufen in alle Weltgegenden fieberhaft nach seinem Prototyp-KI-Modul für die Brain-IT-Communication. Das Modul war unauffindbar, und der ansonsten cool-überlegen auftretende Musk liess mehr und mehr seine souveräne Maske fallen. Niemand aus diesem exklusiven Kreis konnte zu jenem Zeitpunkt wissen, dass das berühmte KI-Modul sich nach Stein am Rhein, dem früheren Veranstaltungsort dieses Top-Seminars, verirrt und sich dort dank seiner äusserst hochentwickelten künstlichen Intelligenz selber in den Rhein reinmanövriert hatte. So war das «KI-Modul» zu einem offensichtlichen «KO-Modul» geworden. Ein herber Rückschlag für die globale «Mind-design-Community»…
 
                                                             
Christof Brassel. 16.09.2022

>>> Steiner Anzeiger: 2022-10-04 Das Modul
 
 
Man kann Christof Brassel auch hören...
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Weder «grün» noch «liberal»:
Wenn von Digitalisierung die Rede ist, sprechen Politiker/innen meist davon, dass es darum gehe, die damit einhergehenden Probleme zu bewältigen, die Grünliberalen des Kantons Schaffhausen schreiben in ihr Wahlprogramm hingegen ausdrücklich, dass sie die Digitalisierung (aktiv) fördern wollen.
Eine forcierte Digitalisierung widerspricht nun aber klar dem Grundsatz der Nachhaltigkeit. Beschleunigte Digitalisierung bedeutet in verschiedener Hinsicht Raubbau an der Natur, und zwar insbesondere an unserer menschlichen Natur, an unserer zwischenmenschlichen Kommunikation, die zunehmend in Muster von maschinellen technischen Abläufen hineingezwängt wird. Die menschliche Kommunikation verkümmert zunehmend in Selbstoptimierungs- und Selbstdarstellungszwängen, denen sich insbesondere Jugendliche nur schwer entziehen können. Die digital durchgetakteten, sich im Alltag ausbreitenden Kommunikationsmuster führen allmählich zum Verlust des uns Menschen - von Natur und Kultur - mitgegebenen reichen und vielschichtigen Kommunikationspotentials. Hat die Digitalisierung ein zu hohes Tempo, zerstört sie Existenzgrundlagen und zwischenmenschliche Beziehungsnetze und nivelliert die menschliche Lebenswirklichkeit zusehends auf maschinenkompatible und maschinengesteuerte Abläufe. Forcierte Digitalisierung und Innovation wie sie insbesondere von den Mensch-Maschine-Verschmelzungsideologen des Silicone Valleys propagiert und vorangetrieben werden, treiben diesen Raubbau an der menschlichen Natur auf die Spitze. Das Verhältnis dieser Innovationsturbos zur Natur ist dasjenige ihrer Beherrschung und nicht dasjenige der Kommunikation mit ihr. Die einseitige Orientierung an der Naturbeherrschung hat nun aber gerade zur heutigen ökologischen Krise geführt. Die Lösung dieser Krise kann nicht durch noch mehr Naturbeherrschung erfolgen. Ob sich die Grünliberalen mit ihrer (womöglich etwas unreflektierten) Digitalisierungspropaganda der Gefahren und Risiken einer ungebremsten Digitalisierung für die menschliche und aussermenschliche Natur bewusst sind, darf bezweifelt werden. In der forcierten Propagierung der Digitalisierung kann ich jedenfalls, wie dargelegt, keine nachhaltige, im politischen Sinne «grüne» Perspektive erkennen.
Forcierte Digitalisierung widerspricht sodann auch der «Liberalität», im Sinne der konkreten persönlichen Freiheit des Individuums. Mit zunehmender Durchdigitalisierung unseres Alltags (digitale Tickets, Handy-Ortungsfunktionen, Zugangscodes, Datenspur im Internet, Gesundheits-Optimierungs-Apps, Preisgabe persönlicher Inhalte an Tech-Konzerne, Gesichtserkennung, Bewegungsprofile, algorithmische Persönlichkeitsprofile, Erfassbarkeit gigantischer Datenmengen, etc) nimmt auch die Überwachbarkeit (und die effektive Überwachung, siehe NSA) der betroffenen Menschen zu, ebenso schreitet die Durchlöcherung und allmähliche Auflösung ihrer Privatsphäre voran. Je mehr hocheffiziente Techniken entwickelt werden, umso grösser werden die durch diese Techniken entstehenden Sicherheitsprobleme (z.B. Gefahr der kriminellen Anwendung). Diese wirklichen oder angeblichen Sicherheitsprobleme führen sodann zu noch mehr Überwachung. Forcierte Digitalisierung zieht somit unweigerlich auch zunehmende Überwachungs- und Kontrollinteressen des Staates und der privaten IT-Konzerne nach sich. In politischer Hinsicht ist unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Freiheit zur Digitalisierung eher eine bremsende und regulierende Politik angezeigt. Eine explizite Förderung der Digitalisierung, wie sie die Grünliberalen in ihrem Wahlprogramm vorsehen, ist somit nicht nur alles andere als «grün», sondern zudem auch alles andere als «liberal».
                                                                               
Christof Brassel 17. 09. 2020

Privacy goodbye…
 
Eine Privatsphäre zu haben, ist in der digitalisierten Gesellschaft, wie es scheint, ein veraltetes Lebenskonzept. So jedenfalls hat sich bereits 2010 Eric Schmidt, der damalige Datensauger-CEO von Google öffentlich geäussert. Auch der Facebook-Halbgott Mark Zuckerberg hat inzwischen das Ende der Privatsphäre verkündet. Absolute Transparenz ist angesagt, allerdings nur Transparenz für Machtträger gegenüber Machtlosen, nicht umgekehrt. Auch in der Schweiz hat man den Eindruck, dass 56,6 % der Stimmbürger/innen präventive Überwachung «ziemlich sexy» finden. So viele haben am 13. Juni dieses Jahres ein entsprechend famoses «Karinkellersuttergesetz» gutgeheissen, das in Anwendung von Heisenbergs Unschärferelation die Zulässigkeit von präventiver Überwachung mit dem schwammigen Begriff des «Gefährders» bewusst unscharf gelassen hat. Die Schweiz hat nun mit dem Segen von 56,6% des Volkes eines der rabiatesten Präventivmassnahmen-Gesetze gegen Menschen (auch Kinder ab 12 Jahren), die aus der Sicht der Polizei möglicherweise, eventuell, in nebelhafter Zukunft, allenfalls etwas Ordnungsstörendes begehen könnten, vielleicht auch nicht, aber sicher ist sicher. Rechtzeitig zu diesem Rechtsstaats-Demontageschritt wird bekannt, dass es nun eine passende Software gibt, mit der nicht nur Staaten, sondern auch private Schnüffler, via Infizierung des Handys, unsere Privatsphäre ausspionieren können. Eine geniale israelische Start-Up-Firma NSO (Nethanjahu sieht Olles) hat schon zahlreiche «vorbildliche Rechtsstaaten» wie Ungarn, Polen, Saudiarabien, Bahrain und die Arabischen Emirate (inkl. Dubai) mit der trojanischen Software beliefert (welche dann dummerweise auch ins assadistische Syrien gelangt ist). Zahlreiche Oppositionelle und Menschenrechtsaktivist/innen in Ungarn, Saudiarabien, Dubai, Aserbeidschan, ebenso wie politische Flüchtlinge im europäischen Exil, wurden mit dieser Software attackiert und ausgeforscht. Pegasus ist denn auch nicht ein gewöhnlicher «Hackergaul», sondern ein edles geflügeltes Pferd aus der griechischen Mythologie, das als Software seine Opfer ganz «soft» zur Strecke bringt. Viel Feind, viel Pegasus! Und so dient Pegasus neben Geheimdiensten, Drogenbossen, Börsenspekulanten und IT-Konzern-Egomanen auch dem ungarischen Gulasch-Mogul Viktor Diktatorban bei seinen schummerigen Machenschaften. Bei fortschreitender Digitalisierung wird er bei NSO wohl bald auch noch die passenden Schlägerroboter, Modell «Schlägasus», dazukaufen können, die dann die nervigen Oppositionellen nicht nur überwachen und aufspüren, sondern auch noch fachgerecht zusammenprügeln. Dank der Pegasus-Software wurde im übrigen wohl auch der Fluchtversuch der Prinzessin Latifa aus dem Wolkenkratzer-, Shopping- und Folterstaat Dubai verhindert. Der Emir Muhammed bin Raschid al Maktoum liess 2018 seine 34-jährige Tochter Latifa durch Infizierung eines Handys aus ihrem Umfeld ausforschen, und seine Rambos enterten ihr Fluchtboot dann kurz vor der indischen Küste. Als Emir sagte er sich wohl: «Diese Tochter gehört eh mir», und wenn es im Angebot von NSO schon eine entsprechende Vergessens-Software gäbe, wäre es ihm wohl gelungen, diese Geschichte aus «1001 Flucht» mit einem Mantel des Schweigens zu umhüllen. Im Jahre 2020 ist er dann aber vom Londoner High-Court in Abwesenheit wegen Entführung, Einschüchterung und Folter verurteilt worden. Und sollte er dereinst wieder einmal am WEF in Davos teilnehmen, dann wird ihn die Bündner-Kantonspolizei – wenn alles mit rechten Dingen zugeht - aus seiner Luxussuite herausholen und in Auslieferungshaft verfrachten. Da können wir dann zusammen mit Prinzessin Latifa erleichtert ausrufen:
 
Oh Emir Muhammed bin Raschid al Maktoum,
 
wie rasch ist, oh Emir, die Zeit der Allmacht um!
 
Doch die Allmacht der globalen IT-Konzerne und der finanzkräftigen Schnüffelviren-Benutzer ist damit leider noch nicht erschüttert, und unsere Privatsphäre verwandelt sich weiterhin mehr und mehr in eine Piratsphäre, die von allerlei Datenfreibeutern hemmungslos ausgeplündert wird.
 

Christof Brassel  3.8.2021

>>> Steiner Anzeiger: 2021-08-10 Privacy goodbay...
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